Sammeln
Corrado-Arato
Ich stehe am Rand, die kalten Steine des Ufers drücken leicht gegen meine Stiefelsohlen. Über mir spannt sich der Himmel, ein weiches, milchiges Grau, das das Licht filtert und alles in eine gedämpfte, fast melancholische Klarheit taucht. Mein Blick folgt der Linie…
Die Stunde, in der die Laternen flüstern
Ich stehe zwischen den Mauern, die den Himmel tragen, und spüre, wie die Nacht sich langsam in den Stein zurückzieht. Der Nebel liegt wie ein Schleier über dem Kanal, dick genug, um die Welt zu verschleiern, aber durchlässig genug, um die Laternen durchscheinen zu lassen. Ihr Licht ist nicht grell, nicht fordernd – es ist sanft, fast schüchtern, als würde es sich entschuldigen, die Dunkelheit zu stören.
Rio de San Barnaba
Der Himmel ist so blau, das tut fast weh. Ich stehe hier, am Rand, und schaue nur zu. Das Wasser, es ist dunkelgrün, fast schwarz, aber die Sonne wirft diese verrückten, zitternden Flecken hinein. Es spiegelt die Häuser, diese alten, bunten Fassaden, so verzerrt, dass es aussieht wie ein gemaltes Chaos. Gelb, Terrakotta, ein bisschen Rosa. Alles so nah, man könnte es anfassen, aber es fühlt sich an wie eine andere Welt.
Einsam am See
Der Moment ist so still, dass er fast wehtut. Ich sitze hier, auf dem Ende des Holzstegs, die Füße baumeln knapp über der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Es ist noch nicht ganz Tag, eher eine lange, tiefe Dämmerung, die alles in ein monochromes Blau taucht. Das Licht, das von irgendwo hinter dem dichten Waldsaum kommt, ist kein warmes Leuchten, sondern ein kalter, silberner Schein, der den Nebel über dem Wasser fast greifbar macht.
Die Goldene Stunde der Stille
Ich stehe hier, an der Schwelle, wo das kühle, feuchte Dunkel der Gasse auf das warme, flüssige Licht trifft. Es ist diese Stunde, in der die Welt sich zurückzieht, eingehüllt in einen Schleier aus Nebel, der die Geräusche schluckt und die Konturen weichzeichnet. Ich bin der einzige wache Zeuge dieses Augenblicks, ein stiller Beobachter in einem Theater, dessen Vorhang für alle anderen längst gefallen ist.
Santa Maria de la Salute im Nebel
Der Nebel schmiegt sich wie ein kühles, feuchtes Tuch um meine Wangen. Er schmeckt nach Salz und altem Stein, ein Duft, der nur Venedig gehört. Die Luft ist still, so still, dass ich das leise Plätschern der Wellen gegen die Gondeln hören kann, die vor mir im Dunst tanzen. Es ist ein sanftes, rhythmisches Schaukeln, ein Wiegenlied für eine Stadt, die noch nicht ganz erwacht ist.





