Sammeln
Nebelnacht
Der Nebel. Er ist nicht nur da, er atmet. Ich stehe auf dem Bug dieser Gondel, die sanft im dunklen Wasser schaukelt, und fühle mich wie eine Silhouette, die aus der Zeit gefallen ist. Um mich herum liegen die anderen Boote, ihre schwarzen, eleganten Rümpfe bilden…
Einsam am See
Der Moment ist so still, dass er fast wehtut. Ich sitze hier, auf dem Ende des Holzstegs, die Füße baumeln knapp über der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Es ist noch nicht ganz Tag, eher eine lange, tiefe Dämmerung, die alles in ein monochromes Blau taucht. Das Licht, das von irgendwo hinter dem dichten Waldsaum kommt, ist kein warmes Leuchten, sondern ein kalter, silberner Schein, der den Nebel über dem Wasser fast greifbar macht.
Der goldene Atem der Stille
Ich stehe auf dem schmalen Pfad, der sich wie eine Narbe durch den Weinberg zieht, und atme die Kälte ein. Es ist eine Kälte, die nicht beißt, sondern umhüllt, eine feine, klare Hülle aus Herbstluft, die den Duft von trockener Erde und dem letzten, leicht vergorenen Rest der Trauben in sich trägt. Die Sonne, die eben noch hinter den schweren, zornigen Wolken verborgen lag, hat einen Riss in den Himmel geschnitten, und durch diesen Spalt ergießt sich nun ein Licht, das nicht einfach nur hell ist, sondern eine Substanz, dick und warm wie flüssiger Honig. Es legt sich auf den Weg vor meinen Füßen, saugt die Feuchtigkeit aus dem braunen Gras und lässt jeden Halm wie einen feinen Docht glühen.
Im Flüstern der Gassen
Die Dämmerung legt sich wie ein sanfter Schleier über die Stadt und taucht den Himmel in ein verblassendes Orange, das sich weich mit dem aufziehenden Violett der Nacht vermischt. Ich stehe am Rande des Kanals, die feuchte, salzige Luft füllt meine Lungen. Es riecht nach altem Stein, nach dem leichten Moder des Wassers und dem fernen Versprechen von Regen.
Der Marmor und die Stille im Lärm
Ich stehe mitten in diesem Strom, aber ich bin nicht Teil davon. Die Kälte beißt in meine Wangen, eine trockene, klare Winterluft, die nach Abgasen und einem Hauch von gebrannten Mandeln riecht, ein ferner Gruß vom Weihnachtsmarkt. Meine Füße ruhen auf dem nassen, spiegelnden Pflaster des Platzes, das die blasse Sonne in tausend flüchtigen Reflexen einfängt. Es ist ein Meer aus Grau und Braun, durch das sich die dunklen Mäntel der Eiligen bewegen.
Die Stunde, in der die Laternen flüstern
Ich stehe zwischen den Mauern, die den Himmel tragen, und spüre, wie die Nacht sich langsam in den Stein zurückzieht. Der Nebel liegt wie ein Schleier über dem Kanal, dick genug, um die Welt zu verschleiern, aber durchlässig genug, um die Laternen durchscheinen zu lassen. Ihr Licht ist nicht grell, nicht fordernd – es ist sanft, fast schüchtern, als würde es sich entschuldigen, die Dunkelheit zu stören.





