Sammeln
Morgenstimmung mit Blick auf San Giorgio Maggiore
Der Himmel explodiert in einem stillen Feuerwerk aus Violett, Rosa und tiefem Blau. Es ist noch nicht Tag, aber die Nacht hat ihren Kampf bereits verloren. Ich stehe am Kai, die kalten Steinplatten unter meinen Füßen, und spüre die feuchte Kälte der Lagune, die sich...
Die Stunde der stillen Säulen
Ich stehe hier, mitten auf dem Platz, und die Welt ist ein tiefes, sattes Blau. Es ist die Stunde, in der die Stadt ihren Atem anhält, die Stunde nach dem letzten Lärm, aber vor dem ersten Licht. Die Pflastersteine unter meinen Füßen sind noch feucht, ein Spiegel für das goldene Licht, das aus den Arkaden quillt. Jeder Stein glänzt, als hätte er ein Geheimnis geschluckt, das er jetzt, in dieser Stille, leise wieder ausatmet.
Abenddämmerung in Venedig
Der Himmel über mir ist ein zerflossenes Gemälde aus Violett und glühendem Orange. Ich lehne an der kühlen Steinbrüstung und atme den schweren Duft des Abends ein – eine Mischung aus feuchtem Stein, dem salzigen Hauch der Lagune und dem leisen, süßlichen Geruch von Jasmin, der aus einem verborgenen Garten zu mir herüberweht.
Die Farbe der Stille
Ich stehe auf dem kalten Stein, der noch die Feuchtigkeit der Nacht atmet. Meine Schritte sind leise, fast unhörbar auf diesem alten Pflaster, das sich wie eine graue Zunge am Kanal entlangzieht. Es ist dieser Moment, bevor die Stadt wirklich erwacht, in dem die Geräusche noch weit entfernt sind und die Luft kühl und klar ist.
Einsam am See
Der Moment ist so still, dass er fast wehtut. Ich sitze hier, auf dem Ende des Holzstegs, die Füße baumeln knapp über der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Es ist noch nicht ganz Tag, eher eine lange, tiefe Dämmerung, die alles in ein monochromes Blau taucht. Das Licht, das von irgendwo hinter dem dichten Waldsaum kommt, ist kein warmes Leuchten, sondern ein kalter, silberner Schein, der den Nebel über dem Wasser fast greifbar macht.
Wenn die Laternen die Nacht in Honig tauchen
Ich stehe am Rand des Wassers, wo die Steine unter meinen Füßen kalt und feucht sind, als hätten sie den Atem des Meeres in sich gesogen. Die Luft ist kühl, aber nicht unangenehm – sie streicht über meine Haut wie ein zögernder Finger, der sich nicht entscheiden kann, ob er bleiben oder weiterziehen soll. Irgendwo zwischen dem Dunkelblau des Himmels und dem flüssigen Gold der Laternen hängt die Zeit.
Die Laternen. Sie sind es, die diesen Moment zu etwas Heiligem machen. Ihr Licht ist nicht grell, nicht aufdringlich, sondern sanft und schwer, als würde es aus einer anderen Zeit sickern. Es tropft auf das Wasser, auf die alten Steine, auf die Umrisse der Gondel, die sich langsam, fast träge, durch den Kanal schiebt. Der Gondoliere steht aufrecht, sein Schatten lang und schmal, als wäre er nicht aus Fleisch, sondern aus demselben Stoff wie die Dämmerung. Seine Bewegungen sind flüssig, aber ich höre kein Geräusch – nur das leise, fast unmerkliche Plätschern des Wassers gegen das Holz.





