Sammeln
Die Stunde der stillen Säulen
Ich stehe hier, mitten auf dem Platz, und die Welt ist ein tiefes, sattes Blau. Es ist die Stunde, in der die Stadt ihren Atem anhält, die Stunde nach dem letzten Lärm, aber vor dem ersten Licht. Die Pflastersteine unter meinen Füßen sind noch feucht, ein Spiegel für das goldene Licht, das aus den Arkaden quillt. Jeder Stein glänzt, als hätte er ein Geheimnis geschluckt, das er jetzt, in dieser Stille, leise wieder ausatmet.
Santa Maria de la Salute im Nebel
Der Nebel schmiegt sich wie ein kühles, feuchtes Tuch um meine Wangen. Er schmeckt nach Salz und altem Stein, ein Duft, der nur Venedig gehört. Die Luft ist still, so still, dass ich das leise Plätschern der Wellen gegen die Gondeln hören kann, die vor mir im Dunst tanzen. Es ist ein sanftes, rhythmisches Schaukeln, ein Wiegenlied für eine Stadt, die noch nicht ganz erwacht ist.
Der Atem der Steine
Ich stehe hier, und die Welt ist ein einziger, feuchter Atemzug. Der Nebel hat alles verschluckt, die Geräusche, die Ecken, die Eile. Er liegt schwer und kühl auf meiner Haut, ein Schleier aus Grau und Blau, der die Konturen der alten Palazzi weichzeichnet. Ich bin allein, eine stille Beobachterin in dieser flüssigen Stille.
Die Stunde, in der die Laternen flüstern
Ich stehe zwischen den Mauern, die den Himmel tragen, und spüre, wie die Nacht sich langsam in den Stein zurückzieht. Der Nebel liegt wie ein Schleier über dem Kanal, dick genug, um die Welt zu verschleiern, aber durchlässig genug, um die Laternen durchscheinen zu lassen. Ihr Licht ist nicht grell, nicht fordernd – es ist sanft, fast schüchtern, als würde es sich entschuldigen, die Dunkelheit zu stören.
Bei Giulia
Der Steinboden unter meinen Füßen ist kühl, rau und uneben, eine Textur, die ich fast mehr fühle als sehe. Es ist die späte Stunde zwischen Tag und Abend, die Stunde, in der das ockergelbe Haus über mir zu glühen beginnt. Die Fensterläden, ein sattes, verwittertes...
Ponte
Der Nebel legt sich wie ein feuchter, grauer Schleier über Venedig. Er schluckt die Geräusche und die Farben, lässt nur gedämpfte Echos und blasse Konturen zurück. Ich stehe am Ufer des Kanals, meine Finger umklammern das kühle, schmiedeeiserne Geländer einer fast...





