Der Steinboden unter meinen Füßen ist kühl, rau und uneben, eine Textur, die ich fast mehr fühle als sehe. Es ist die späte Stunde zwischen Tag und Abend, die Stunde, in der das ockergelbe Haus über mir zu glühen beginnt. Die Fensterläden, ein sattes, verwittertes Grün, sind halb geöffnet, wie Augenlider, die sich langsam senken. Ich stehe hier, mitten auf dem kleinen Platz, und die Stille ist so dicht, dass sie fast einen Geruch hat – den Geruch von altem Stein, von feuchter Erde und dem süßen, leicht bitteren Duft der Ranken, die sich über den Eingang spannen.
Das Licht ist das, was mich festhält. Es ist nicht das harte Licht des Tages, sondern ein sanftes, warmes Leuchten, das aus den Laternen neben der Tür strömt. Es malt lange, weiche Schatten auf die Tischdecken, die makellos weiß und unberührt sind. Jeder Tisch ist gedeckt, die Gläser stehen bereit, die kleinen Blumensträuße in der Mitte sind ein stilles Versprechen auf Leben, das bald hier einkehren wird. Ich sehe die feinen Linien der Holzstühle, die Strohsitze, die so einladend wirken. Es ist diese Leere, die mich so tief berührt. Eine Leere, die nicht traurig ist, sondern voller Erwartung.
Ich atme tief ein. Ich rieche das ferne Versprechen von Knoblauch und Olivenöl, das aus der offenen Tür des Restaurants weht, ein Hauch von Küche, die sich auf den Ansturm vorbereitet. Es ist ein Geruch, der Heimat bedeutet. Ich höre nichts als das leise Rauschen meines eigenen Atems und das ferne, rhythmische Klopfen eines Fensters im Stockwerk darüber, das im Wind spielt.
Ich bin die Beobachterin, die stille Zeugin dieses Augenblicks, bevor die Welt wieder laut wird. Ich berühre mit den Fingerspitzen die kühle, glatte Oberfläche des Weinglases auf dem nächstgelegenen Tisch. Es ist ein Moment der perfekten Inselhaftigkeit. Die Farben – das warme Gold der Wand, das tiefe Grün der Pflanzen, das reine Weiß der Tischwäsche – sie sind so klar, so rein. Ich fühle eine leichte Melancholie, ja, aber es ist eine süße, poetische Traurigkeit, die mich daran erinnert, wie flüchtig die Schönheit der Stille ist. Bald werden Stimmen, Lachen, das Klirren von Besteck diese Szene füllen. Aber jetzt, in dieser Sekunde, gehört dieser ganze, wunderschön vorbereitete Ort nur mir. Und ich halte ihn fest, diesen stillen, goldenen Atemzug, bevor die Nacht beginnt.
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