Sammeln
Venedigs Kanäle bei Nacht
Die Luft ist kühl und riecht nach feuchtem Stein und dem salzigen Versprechen des nahen Meeres. Ich lehne an der Brüstung, das Holz ist glatt und kalt unter meinen Händen. Unter mir gleitet ein kleines Boot durch das schmale, dunkle Wasser des Kanals, sein Scheinwerfer schneidet einen unruhigen, milchigen Fleck in die Schwärze.
Betreten des Markusplatzes von unterhalb des Uhrturms
Der kühle Stein des Bogengangs umfängt mich noch, ein letzter Atemzug des Schattens, bevor ich in das gleißende Licht trete. Meine Schritte hallen leise auf dem Pflaster, ein diskreter Rhythmus, der die Stille nicht bricht, sondern nur markiert. Ich bin allein, oder…
Im Schatten des fließenden Lichts
Ich sitze auf kaltem Stein, die Hände um meine Knie geschlungen, und spüre, wie die Kühle des Flusses unter mir aufsteigt. Das Wasser rauscht, ein ewiger Chor aus tausend unsichtbaren Stimmen, die sich an den Felsen brechen und zu mir hinaufweben. Es ist, als würde die Zeit hier langsamer fließen, als würde sie sich in den Wirbeln des Stroms verlieren.
Wenn die Laternen die Nacht in Honig tauchen
Ich stehe am Rand des Wassers, wo die Steine unter meinen Füßen kalt und feucht sind, als hätten sie den Atem des Meeres in sich gesogen. Die Luft ist kühl, aber nicht unangenehm – sie streicht über meine Haut wie ein zögernder Finger, der sich nicht entscheiden kann, ob er bleiben oder weiterziehen soll. Irgendwo zwischen dem Dunkelblau des Himmels und dem flüssigen Gold der Laternen hängt die Zeit.
Die Laternen. Sie sind es, die diesen Moment zu etwas Heiligem machen. Ihr Licht ist nicht grell, nicht aufdringlich, sondern sanft und schwer, als würde es aus einer anderen Zeit sickern. Es tropft auf das Wasser, auf die alten Steine, auf die Umrisse der Gondel, die sich langsam, fast träge, durch den Kanal schiebt. Der Gondoliere steht aufrecht, sein Schatten lang und schmal, als wäre er nicht aus Fleisch, sondern aus demselben Stoff wie die Dämmerung. Seine Bewegungen sind flüssig, aber ich höre kein Geräusch – nur das leise, fast unmerkliche Plätschern des Wassers gegen das Holz.
San Giorgio Maggiore
Das Wasser ist ein dunkler Spiegel, der die Lichter der Nacht in langen, zitternden Streifen einfängt. Ich stehe am Ufer und atme die kühle, salzige Luft ein, die von der Lagune herüberweht. Ein langer Tag liegt hinter mir, seine Geräusche und Gesichter verblassen…
Wenn der Himmel errötet
Ich stehe still, die Füße fest auf dem kühlen Pflaster, und atme die feuchte, salzige Luft ein. Sie schmeckt nach Meer und altem Stein, ein Duft, der nur Venedig gehört. Der Himmel über mir ist eine Leinwand aus zartem Rosa und tiefem Violett, durchzogen von den letzten Spuren des Tageslichts.





