Ich stehe auf dem Felsen, und die Welt hält den Atem an. Es ist dieser Moment, in dem der Tag zögert, der Nacht Platz zu machen, oder vielleicht ist es umgekehrt. Ich weiß es nicht genau, und es spielt keine Rolle.
Der Wind ist kalt, aber er trägt den Duft von Salz und feuchtem Gestein. Ich atme tief ein, und die Kälte zieht bis in meine Lungen. Unter mir schlägt das Meer gegen die Klippen, ein dumpfes, unaufhörliches Grollen, das mich erdet. Es ist kein wütendes Geräusch, eher ein tiefes Seufzen, eine alte Melodie, die nur hier gespielt wird.
Meine Augen haften an dem Turm. Er ist so weiß, so unerschütterlich, ein stiller Wächter, der aus dem rosafarbenen und hellblauen Himmel ragt. Die Farbe des Himmels ist zart, wie ein verwaschenes Aquarell, das an den Horizont gemalt wurde. Ein Hauch von Pfirsich und Lavendel, der langsam in das kühle Blau übergeht. Ich sehe die kleinen, dunklen Inseln draußen, die wie schlafende Wale im Dunst liegen.
Das Licht der untergehenden Sonne – oder ist es die aufgehende? – fängt die Textur des Felsens ein. Er ist rau, zerrissen, in tiefes Braun und glühendes Orange getaucht. Ich spüre die Kälte des Steins durch die Sohlen meiner Stiefel. Er ist hart, unnachgiebig, aber er gibt mir Halt.
Das kleine Haus neben dem Turm, mit seinem roten Dach und den weißen Geländern, wirkt seltsam gemütlich und zugleich unerreichbar. Es ist ein Anker, ein Versprechen von Wärme in dieser grandiosen, kalten Weite. Ich frage mich, wer dort lebt, wer jeden Tag dieses Schauspiel sieht. Sie sind nicht hier, oder ich sehe sie nicht. Es ist nur der Turm, das Meer und ich.
Ich bin nur eine Beobachterin, eine flüchtige Silhouette auf diesem alten Felsen. Aber in diesem Augenblick, in dem das Wasser schäumend an die dunklen Steine schlägt und das Licht die Welt in ein Geheimnis hüllt, fühle ich mich nicht klein. Ich fühle mich verbunden. Jede Welle, jeder Farbton am Himmel, jeder Riss im Fels spricht eine Sprache, die ich verstehe. Es ist eine leise, melancholische Magie, die mich umgibt, und ich lasse sie in mich einsickern. Es ist genug. Dieser stille, einsame Moment ist alles, was ich brauche.
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