Der Himmel ist so blau, das tut fast weh. Ich stehe hier, am Rand, und schaue nur zu. Das Wasser, es ist dunkelgrün, fast schwarz, aber die Sonne wirft diese verrückten, zitternden Flecken hinein. Es spiegelt die Häuser, diese alten, bunten Fassaden, so verzerrt, dass es aussieht wie ein gemaltes Chaos. Gelb, Terrakotta, ein bisschen Rosa. Alles so nah, man könnte es anfassen, aber es fühlt sich an wie eine andere Welt.
Ich rieche das Salz, das Moderige, diesen ganz speziellen Geruch von altem Stein und Kanal. Es ist still, fast zu still. Nur das leise Schlagen von Holz gegen Holz, wenn die Gondeln leicht schaukeln. Die beiden schwarzen Boote liegen da, so elegant, mit ihren roten und goldenen Kissen. Sie warten.
Der Mann im gestreiften Hemd, er steht ganz hinten in seiner Gondel, der Blick geht nach vorn, unter die kleine Brücke. Er wartet auch. Er ist so ruhig, fast eine Statue. Ich mag das, dieses Warten, dieses Innehalten. Es ist keine Eile da, nur die Zeit, die langsam über die Mauern kriecht.
Ich hebe den Kopf. Ganz hinten, über den Dächern, steht dieser hohe Turm, der Campanile. Er ist so hell im Licht, so weit weg. Er erinnert mich daran, dass alles hier schon so lange steht, dass ich nur ein ganz kleiner Moment bin, der jetzt gerade zuschaut. Ich bin nur eine Beobachterin, die die Schönheit in diesen stillen Details findet. Das Licht auf dem Wasser, der Schatten, der hart und klar fällt. Es ist melancholisch, ja, aber es ist eine schöne Melancholie. Eine, die sagt: Schau genau hin, es ist alles da. Mehr brauche ich gerade nicht. Es ist gut so.
