Sammeln
Rio de San Barnaba
Der Himmel ist so blau, das tut fast weh. Ich stehe hier, am Rand, und schaue nur zu. Das Wasser, es ist dunkelgrün, fast schwarz, aber die Sonne wirft diese verrückten, zitternden Flecken hinein. Es spiegelt die Häuser, diese alten, bunten Fassaden, so verzerrt, dass es aussieht wie ein gemaltes Chaos. Gelb, Terrakotta, ein bisschen Rosa. Alles so nah, man könnte es anfassen, aber es fühlt sich an wie eine andere Welt.
Betreten des Markusplatzes von unterhalb des Uhrturms
Der kühle Stein des Bogengangs umfängt mich noch, ein letzter Atemzug des Schattens, bevor ich in das gleißende Licht trete. Meine Schritte hallen leise auf dem Pflaster, ein diskreter Rhythmus, der die Stille nicht bricht, sondern nur markiert. Ich bin allein, oder…
Der Atem der Steine
Ich stehe hier, und die Welt ist ein einziger, feuchter Atemzug. Der Nebel hat alles verschluckt, die Geräusche, die Ecken, die Eile. Er liegt schwer und kühl auf meiner Haut, ein Schleier aus Grau und Blau, der die Konturen der alten Palazzi weichzeichnet. Ich bin allein, eine stille Beobachterin in dieser flüssigen Stille.
Einsam am See
Der Moment ist so still, dass er fast wehtut. Ich sitze hier, auf dem Ende des Holzstegs, die Füße baumeln knapp über der spiegelglatten Oberfläche des Sees. Es ist noch nicht ganz Tag, eher eine lange, tiefe Dämmerung, die alles in ein monochromes Blau taucht. Das Licht, das von irgendwo hinter dem dichten Waldsaum kommt, ist kein warmes Leuchten, sondern ein kalter, silberner Schein, der den Nebel über dem Wasser fast greifbar macht.
Das Gold auf dem nassen Stein
Ich stehe hier, mitten auf dem Campo, und spüre, wie die Kälte des Regens langsam durch meinen Mantel zieht. Es ist kein harter Guss mehr, nur noch ein feines, stetiges Rauschen, das die Stille nicht bricht, sondern nur untermalt. Die Luft riecht nach altem Stein und…
Der goldene Atem der Stille
Ich stehe auf dem schmalen Pfad, der sich wie eine Narbe durch den Weinberg zieht, und atme die Kälte ein. Es ist eine Kälte, die nicht beißt, sondern umhüllt, eine feine, klare Hülle aus Herbstluft, die den Duft von trockener Erde und dem letzten, leicht vergorenen Rest der Trauben in sich trägt. Die Sonne, die eben noch hinter den schweren, zornigen Wolken verborgen lag, hat einen Riss in den Himmel geschnitten, und durch diesen Spalt ergießt sich nun ein Licht, das nicht einfach nur hell ist, sondern eine Substanz, dick und warm wie flüssiger Honig. Es legt sich auf den Weg vor meinen Füßen, saugt die Feuchtigkeit aus dem braunen Gras und lässt jeden Halm wie einen feinen Docht glühen.





