Nicht verfügbar sein – und trotzdem da

Es gibt diese Sorte Müdigkeit, die nicht von zu wenig Schlaf kommt. Sondern von zu viel Kontakt. Zu vielen Erwartungen. Zu vielen offenen Tabs im Kopf. Und irgendwann entsteht dieser Wunsch, der gleichzeitig banal und radikal ist: nicht erreichbar sein.

Nicht als Spiel. Nicht als Taktik. Sondern als Selbstschutz.

„Nicht verfügbar“ klingt in unserer Kultur oft wie ein Makel. Als müsste man sich entschuldigen: Sorry, gerade schwierig. Dabei ist es im Kern etwas sehr Gesundes: Grenzen. Raum. Stille. Ein Ort, an dem du nicht permanent reagierst, sondern wieder wahrnimmst.

In Reet: Ein Haus, zwei Frauen, und die Kunst, nicht verfügbar zu sein wirkt dieses Motiv wie ein stiller Motor: Rückzug ist keine Kulisse, sondern eine Entscheidung. Eine, die plötzlich nicht mehr nur bequem ist, sondern Konsequenzen hat. Denn sobald du dich entziehst, tauchen sie auf: Menschen. Gefühle. Bedürfnisse. Und manchmal zwei sehr unterschiedliche Arten von Nähe, die gleichzeitig klopfen.

Die Wahrheit über Rückzug

Rückzug ist romantisch, solange er ästhetisch bleibt: Meerblick, Kamin, ein Hund, der alles verzeiht. Aber echter Rückzug ist unbequem. Weil er das wegnimmt, was sonst dämpft: Termine, Lärm, Ablenkung. Übrig bleibt die eigene Innenwelt — und die ist selten ordentlich.

Das Spannende: Nicht verfügbar zu sein ist nicht gleichbedeutend mit Einsamkeit. Es ist eher wie ein Filter. Du entscheidest wieder, wer durchkommt. Und was.

Zwei Frauen, zwei Arten von Nähe

Wenn in einer Geschichte zwei Figuren auftauchen, die Nähe anbieten (oder einfordern), dann passiert etwas, das viele von uns kennen: Nähe ist nicht gleich Nähe.

  • Es gibt Nähe, die wärmt.

  • Und Nähe, die vereinnahmt.

  • Nähe, die heilt.

  • Und Nähe, die dich wieder in alte Rollen schiebt.

Und genau da wird „Nicht verfügbar sein“ zur Kunst: nicht als Mauer, sondern als Dosierung. Nicht als Abwehr, sondern als Wahrhaftigkeit: Ich bin da — aber nicht für alles. Nicht für jede Version von mir, die andere gern hätten.

Warum dieses Thema gerade jetzt knallt

Weil wir dauernd erreichbar sind — und trotzdem oft das Gefühl haben, niemand erreicht uns wirklich.

Verfügbarkeit wird heute mit Liebe verwechselt: „Wenn du mich liebst, antwortest du sofort.“ Aber Liebe ist nicht Reaktionszeit. Liebe ist Präsenz. Und Präsenz entsteht nicht aus Druck, sondern aus Raum.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe hinter „nicht verfügbar“:
Du wirst nicht weniger Mensch — du wirst wieder mehr du selbst.