Ich sitze auf kaltem Stein, die Hände um meine Knie geschlungen, und spüre, wie die Kühle des Flusses unter mir aufsteigt. Das Wasser rauscht, ein ewiger Chor aus tausend unsichtbaren Stimmen, die sich an den Felsen brechen und zu mir hinaufweben. Es ist, als würde die Zeit hier langsamer fließen, als würde sie sich in den Wirbeln des Stroms verlieren.
Die Luft riecht nach feuchtem Moos und nach dem süßen, herben Duft von fallendem Laub. Die Blätter, gold und kupferfarben, tanzen im Wind und landen leise auf dem Wasser, wo sie für einen kurzen Moment treiben, bevor sie von der Strömung verschluckt werden. Ich beobachte, wie sie sich drehen, wie sie im Licht glühen, als wären sie aus flüssigem Bernstein.
Die Wände sind mit Efeu überzogen, der sich in allen Schattierungen von Grün und Gelb präsentiert, als hätte ein Künstler ihn mit zitternder Hand aufgetragen. Ich strecke meine Hand aus, berühre die raue Oberfläche des Steins unter mir. Er ist kalt, aber nicht unfreundlich. Er trägt die Spuren von unzähligen Händen, unzähligen Geschichten, die hier gesessen und gewartet haben.
Über mir spannt sich der alte Steinbogen, bewachsen mit Flechten und Moos, als wäre er schon immer hier gewesen. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und lasse die Sonne mein Gesicht wärmen. Sie steht tief, ihr Licht und weich. Ich höre das leise Knarren der Äste im Wind, das ferne Rauschen des Wasserfalls, der sich hinter uns in die Tiefe stürzt. Es ist ein Geräusch, das mich an etwas erinnert, das ich nicht benennen kann – etwas Vertrautes, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe.
Meine Gedanken wandern, während meine Finger über die raue Oberfläche des Steins gleiten. Ich frage mich, wie viele Menschen hier gesessen und in den Fluss gestarrt haben, wie viele Träume und Sehnsüchte das Wasser mit sich getragen hat. Vielleicht bleibt ein Teil von uns allen hier zurück, in den Wirbeln, in den Blättern, in den Steinen.
Ich atme tief ein. Die Luft ist frisch, fast kühl, aber sie trägt eine Wärme in sich, die von irgendwoher kommt – von der Sonne, vom Wasser, von den Lachen meiner Freunde. Ich öffne die Augen wieder und sehe, wie ein Vogel hoch über uns seine Kreise zieht, ein schwarzer Punkt gegen den blassen Himmel. Für einen Moment bin ich still. Ich bin hier. Ich bin jetzt. Und das reicht.
