Ich stehe still. Der Atemzug, den ich halte, ist der einzige Laut in dieser Gasse, die sich wie ein dunkler, steinerner Kanal zwischen den alten Palazzi hindurchzieht. Über mir spannt sich das tiefe, samtene Schwarz der Nacht, unendlich und ohne Sterne, doch es ist nicht dunkel. Es ist ein Bad in goldenem Licht.
Die großen, drahtgeflochtenen Kugeln schweben über mir, leuchtende Himmelskörper, die ihre eigene, warme Galaxie bilden. Tausende kleiner Lämpchen, jedes ein winziger, stiller Triumph über die Dunkelheit. Ihr Schein fällt auf das nasse Pflaster, das den Glanz aufsaugt und ihn dann in zitternden, verschwommenen Flecken zurückwirft. Der Boden ist ein Spiegel aus Schiefer und Stein, der die Welt verdoppelt und sie dadurch unwirklicher macht.
Die Luft ist kalt und riecht nach altem Stein, nach Feuchtigkeit und einem Hauch von etwas Süßem, das aus den geschlossenen Türen der Läden entweht. Ich höre nichts als das ferne, gedämpfte Rauschen der Stadt, ein Echo, das nicht hierherdringt, sondern nur in meinem Kopf existiert. Hier, an diesem Sockel, wo die dunkle Statue eines Mannes in die Leere blickt, herrscht eine zeitlose Stille. Er ist mein einziger Zeuge, ein stummer Wächter, der die Jahrhunderte überdauert hat.
Ich hebe den Blick zu den Fenstern der Häuser. Hinter den hohen, gotischen Bögen auf der linken Seite glüht das Licht wie Bernstein. Es ist das Licht des Lebens, das Licht der Geschichten, die sich hinter den Mauern abspielen, während ich hier draußen in der Kälte verharre. Ich bin die Beobachterin, die die Intimität dieser verborgenen Momente nur von außen erahnen kann.
In diesem Augenblick fühle ich mich seltsam leicht und schwer zugleich. Schwer von der Melancholie, die in der Schönheit des Vergänglichen liegt – die Lichter werden irgendwann verlöschen. Und leicht, weil ich weiß, dass dieser stille Zauber nur mir gehört. Es ist ein Geschenk der Einsamkeit, ein poetischer Augenblick, in dem die Welt innehält und nur für mich in Gold getaucht wird. Ich atme aus. Der kleine Nebelhauch, der vor mir tanzt, ist das einzige Zeichen, dass die Zeit weitergeht.
