Nebelnacht

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Der Nebel. Er ist nicht nur da, er atmet. Ich stehe auf dem Bug dieser Gondel, die sanft im dunklen Wasser schaukelt, und fühle mich wie eine Silhouette, die aus der Zeit gefallen ist. Um mich herum liegen die anderen Boote, ihre schwarzen, eleganten Rümpfe bilden eine Reihe stiller Wächter. Ich bin die Einzige, die sich hierher gewagt hat, in diesen Moment, in dem die Stadt ihre Konturen verliert und nur noch aus Licht und Dunst besteht.

Die Luft ist dick und feucht, sie schmeckt nach Salz und altem Stein, ein Hauch von Moder und Geheimnis. Ich rieche das kalte, schwere Wasser, das unter mir gluckst. Es ist ein Geräusch, das sonst im Lärm der Stadt untergeht, aber jetzt, in dieser Stille, ist es das einzige Echo. Das Wasser schlägt leise gegen die hölzernen Pfähle, die wie dunkle Finger aus der Tiefe ragen.

Über mir, hinter dem Schleier des Nebels, leuchtet das alte Gebäude. Es ist kein grelles Licht, sondern ein tiefes, warmes Orange, fast wie Bernstein. Es quillt aus den gotischen Fenstern, die wie Augen in der Fassade liegen. Dieses Licht umhüllt mich, macht mich sichtbar und doch unwirklich. Ich bin gebadet in diesem goldenen Schein, der die Feuchtigkeit des Nebels einfängt und ihn in einen magischen Schleier verwandelt.

Ich spüre die Kälte, die langsam durch meine Kleidung zieht, aber es ist eine angenehme Kälte, die mich erdet. Mein Blick haftet an den Details: die feinen, ornamentalen Schnörkel am Bug der Gondel, die glänzenden Reflexionen des Lichts auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche. Es ist die Schönheit im Detail, die mich fesselt.

Ich bin eine Beobachterin. Ich sauge diesen Augenblick in mich auf, diesen perfekten, einsamen Moment. Es gibt keine Eile, keine Forderungen, nur das sanfte Wiegen des Bootes und das Versprechen, dass die Welt, wenn sie im Nebel verschwindet, ihre wahre, poetische Form annimmt. Ich atme tief ein. Es ist ein Gefühl von stiller Melancholie, die mich umfängt, eine süße Schwere, die sagt: Das ist alles, was zählt. Nur dieser Atemzug, dieses Licht, dieser Nebel. Und ich, mitten darin, ganz bei mir.

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